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BEISPIELFALL

PONZI-SYSTEM

Elisabeth R., 67

Rentnerin aus Stuttgart Schaden: 89.000 € Ponzi-System

Der erste Kontakt

Elisabeth R. hatte nach dem Tod ihres Mannes 2019 ein kleines Vermögen geerbt. Zusammen mit ihren eigenen Ersparnissen sollte das Geld ihre Rente aufbessern und ihr einen sorgenfreien Lebensabend ermöglichen.

Das Problem: Die Zinsen auf ihrem Festgeldkonto lagen bei 0,1%. Ihre Nachbarin und langjährige Freundin Gisela erzählte ihr von einer "tollen Möglichkeit". Ein Anlageberater namens Herr Schulz hatte ihr geholfen, ihr Geld gewinnbringend anzulegen – mit garantierten 8% Zinsen pro Jahr. Ein klassisches Kennzeichen von Anlagebetrug.

"Gisela war so begeistert. Sie zeigte mir ihre Kontoauszüge – jeden Monat kamen pünktlich die Zinsen. Ich dachte: Wenn das für sie funktioniert, warum nicht auch für mich? Wir kennen uns immerhin seit 20 Jahren, da gibt es schon eine Vertrauensbasis."

– Elisabeth R.

Gisela stellte den Kontakt her. Herr Schulz – ein gepflegter Mann Mitte 50, der einen seriösen Eindruck machte – kam zu Elisabeth nach Hause. Er sprach von "konservativen Anlagestrategien", "deutschen Mittelstandsanleihen" und "inflationssicheren Renditen".

Das Vertrauensnetz

Was Elisabeth nicht wusste: Herr Schulz hatte ein raffiniertes System aufgebaut. Er bewegte sich in Seniorenkreisen, besuchte Kirchengemeinden und Seniorentreffs. Seine Strategie war einfach aber effektiv: Er nutzte bestehende Vertrauensbeziehungen aus.

Zufriedene Anleger wie Gisela empfahlen ihn weiter, nicht weil sie am Betrug beteiligt waren, sondern weil sie selbst überzeugt waren. Sie erhielten ja tatsächlich ihre monatlichen "Zinsen". Dass dieses Geld aus den Einzahlungen neuer Anleger stammte, ahnten sie nicht.

Die vier Phasen eines Ponzi-Systems

1

Phase 1: Aufbau

Erste Anleger werden mit attraktiven Renditeversprechen geworben. Ihre Einzahlungen werden teilweise für "Renditen" an sie selbst verwendet, der Rest geht an die Betrüger.

2

Phase 2: Wachstum

Zufriedene Anleger empfehlen das System weiter. Neue Einzahlungen finanzieren die Renditen der bestehenden Anleger. Das System wächst exponentiell.

3

Phase 3: Stabilität

Das System erscheint stabil, solange mehr Geld hereinfließt als ausgezahlt wird. Anleger werden ermutigt, Renditen zu reinvestieren statt auszuzahlen.

4

Phase 4: Kollaps

Wenn der Zufluss neuer Gelder nachlässt oder zu viele Anleger gleichzeitig auszahlen wollen, bricht das System zusammen. Die Betrüger verschwinden.

Die Eskalation

Elisabeth war zunächst vorsichtig. Sie investierte im Oktober 2023 "nur" 25.000 Euro – Geld, das auf einem Festgeldkonto mit auslaufender Bindung lag. Die Unterlagen, die Herr Schulz ihr gab, wirkten professionell: Eine "Beteiligungserklärung" mit Stempeln und Unterschriften.

Drei Monate später, im Juli, kam die erste "Zinszahlung": 500 Euro, direkt auf ihr Konto überwiesen. Pünktlich, wie versprochen.

Investitions-Timeline

September 2023

Empfehlung durch Nachbarin, erstes Treffen mit "Berater"

Oktober 2023

Erste Investition nach Kündigung von Festgeld

25.000 €

Januar 2024

Erste "Zinszahlung" erhalten

+500 €

April 2024

Zweite Investition aus Erbschaft

34.000 €

Oktober 2024

Dritte Investition (letztes Festgeld aufgelöst)

30.000 €

März 2025

Zinszahlungen beginnen auszubleiben

Juni 2025

Berater nicht mehr erreichbar, System kollabiert

August 2025

Kontakt zu Rechtsanwälte Ritschel & Keller

Gesamtschaden89.000 €

Im April 2024, ermutigt durch die regelmäßigen Zahlungen, investierte Elisabeth weitere 34.000 Euro – einen Teil ihrer Erbschaft. Herr Schulz war charmant und zuvorkommend. Er erkundigte sich nach ihrer Gesundheit, brachte ihr manchmal Blumen mit. Sie fühlte sich gut aufgehoben.

Im Oktober 2024 der letzte Schritt: Elisabeth löste ihr verbliebenes Festgeld auf und investierte weitere 30.000 Euro. Fast ihre gesamten Ersparnisse steckten nun in der "Anlage" von Herrn Schulz.

Der Wendepunkt

Anfang 2025 begannen die Zinszahlungen auszubleiben. Herr Schulz erklärte es mit "temporären Liquiditätsproblemen" und "regulatorischen Verzögerungen". Er bat um Geduld und versprach, dass alle Zahlungen nachgeholt würden.

Elisabeth versuchte, ihn zu erreichen, aber er wurde immer schwerer greifbar. Anrufe gingen auf die Mailbox und E-Mails blieben unbeantwortet. Im Juni 2025 war seine Telefonnummer plötzlich nicht mehr vergeben.

Was Elisabeth nicht wusste:

Herr Schulz hatte über Jahre hinweg Dutzende von Senioren betrogen.

Das System kollabierte, als zu viele Anleger gleichzeitig ihr Geld zurückwollten – ausgelöst durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten nach 2024.

Auch Gisela, die Nachbarin, hatte alles verloren. Die Freundschaft der beiden Frauen zerbrach unter dem Gewicht gegenseitiger Vorwürfe.

Die Warnzeichen im Rückblick

Die Folgen

Die 89.000 Euro waren praktisch alles, was Elisabeth hatte. Sie musste ihre geplante Seniorenresidenz aufgeben und zog zu ihrer Tochter.

"Mit 67 Jahren fängt man nicht mehr von vorne an. Das Geld sollte meine Rente sein. Jetzt muss ich meiner Tochter zur Last fallen.

– Elisabeth R.

Der Weg zur Hilfe

Elisabeths Tochter recherchierte im Internet und fand unsere Kanzlei. Im August 2025 saßen wir zum ersten Mal zusammen. Elisabeth war entschlossen zu kämpfen. Wichtig war, dass sie noch alle wichtigen Beweismittel gesichert hatte:

1

Strafanzeige

Wir erstatteten eine umfassende Strafanzeige wegen gewerbsmäßigen Betrugs und lieferten alle verfügbaren Beweise.

2

Opfervernetzung

Wir vernetzten Elisabeth mit anderen Betroffenen von Herrn Schulz für ein koordiniertes Vorgehen.

3

Vermögenssicherung

Wir beantragten Vermögensarrest, um zu verhindern, dass Herr Schulz restliches Geld beiseite schafft.

4

Zivilklage

Parallel zum Strafverfahren machten wir Schadensersatzansprüche geltend.

Das Ergebnis

Herr Schulz wurde im März 2024 verhaftet. Bei einer Durchsuchung fanden die Ermittler Bargeld und Vermögenswerte im Wert von etwa 400.000 Euro – ein Bruchteil des Gesamtschadens.

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens erhielt Elisabeth eine erste Quote von etwa 15% – rund 13.000 Euro. Weitere Zahlungen sind möglich, wenn weitere Vermögenswerte des Täters aufgespürt werden.

"Es ist nicht viel im Vergleich zu dem, was ich verloren habe. Aber immerhin etwas. Mein Rat an alle: Vertraut nicht blind, nur weil jemand freundlich ist. Prüft nach. Fragt eure Kinder. Lasst euch nicht unter Druck setzen."

– Elisabeth R.

Wurden Ihnen "garantierte" Renditen versprochen?

Wenn jemand Ihnen sichere, hohe Renditen verspricht – insbesondere wenn es sich um eine persönliche Empfehlung handelt – sollten Sie vorsichtig sein. Wir prüfen kostenlos, ob Sie Opfer eines Ponzi-Systems geworden sind.

Rechtsanwaltliche Unterstützung

Unsere Kanzlei begleitet Anleger umfassend bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche. Dies umfasst sowohl die Erstellung und Begleitung der Strafanzeige als auch die Geltendmachung zivilrechtlicher Forderungen sowie die Prüfung internationaler Verflechtungen.