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BEISPIELFALL

SCHEINUNTERNEHMEN

Sandra K., 41

Krankenschwester aus Köln Schaden: 23.000 € Scheinunternehmen

Der erste Kontakt

Sandra K. hatte jahrelang gespart. Als alleinerziehende Mutter war jeder Euro wichtig, aber sie wollte für ihren Sohn vorsorgen. Für seine Ausbildung, vielleicht später für ein Studium. Die niedrigen Zinsen auf dem Sparkonto frustrierten sie.

Im Spätsommer 2023 sah sie auf Instagram eine Werbung, die sie ansprach: "Green Energy Invest" – nachhaltige Geldanlage in Solarparks und Windkraftanlagen. "Ihr Geld arbeitet für die Zukunft", versprach der Slogan. Die Bilder zeigten moderne Solarpanele und Windräder.

Als Krankenschwester lag Sandra der Umweltschutz am Herzen. Die Idee, Geld zu verdienen und gleichzeitig etwas Gutes zu tun, sprach sie an – ein typisches Muster bei Anlagebetrug.

"Ich dachte mir: Das ist perfekt. Ich tue etwas für die Umwelt, für meinen Sohn, und bekomme bessere Zinsen als bei der Bank."

– Sandra K.

Die professionelle Fassade

Die Website von "Green Energy Invest" war beeindruckend. Moderne Gestaltung, Videos von Windparks, Testimonials zufriedener Anleger, ein "Team" aus erfahrenen Finanzexperten mit LinkedIn-Profilen. Es gab sogar einen "Nachhaltigkeitsbericht" zum Download.

Was "Green Energy Invest" behauptete – und was wahr war

Behauptung

EU-reguliertes Unternehmen

Realität

Kein Eintrag bei einer Aufsichtsbehörde

Behauptung

ISO 14001 zertifiziert

Realität

Zertifikat war gefälscht

Behauptung

Management-Team mit Branchen-Erfahrung

Realität

Fotos waren Stockbilder, Namen erfunden

Sandra meldete sich zu einem kostenlosen "Investment-Webinar" an. Ein eloquenter Moderator erklärte die Vorteile erneuerbarer Energien und wie Privatanleger davon profitieren können. Es wirkte alles sehr seriös.

Die Eskalation

Nach dem Webinar wurde Sandra von einem "persönlichen Anlageberater" kontaktiert. Er war freundlich, verständnisvoll und nahm sich Zeit für ihre Fragen. Er sprach über seine eigene Familie, über Nachhaltigkeit, über die Zukunft.

Sandra investierte im Oktober 2023 zunächst 5.000 Euro in sogenannte "Solarpark-Anleihen" mit einer versprochenen Rendite von 6% pro Jahr. Die Dokumente, die sie erhielt, sahen offiziell aus; mit Stempeln, Unterschriften und einer "Anleihen-Nummer".

Investitions-Timeline

September 2023

Instagram-Werbung für "Green Energy Invest" gesehen

September 2023

Online-Webinar mit "Experten" besucht

Oktober 2023

Erste Investition in "Solarpark-Anleihen"

5.000 €

Dezember 2023

Erhöhung nach "erfolgreicher" Quartalszahlung

8.000 €

Februar 2024

Dritte Investition für "Windkraft-Paket"

10.000 €

Mai 2024

Kündigung beantragt – keine Reaktion

Juni 2024

Kontakt zu Rechtsanwälte Ritschel & Keller

Gesamtschaden23.000 €

Im Dezember erhielt Sandra ihre erste "Quartalszahlung" von 75 Euro auf ihr Konto überwiesen. Das schien zu beweisen, dass alles funktionierte. In Wahrheit war es nur ein kleiner Teil ihres eigenen Geldes, der zurückgezahlt wurde, um sie in Sicherheit zu wiegen.

Ermutigt durch diese "Rendite" investierte Sandra im Februar 2024 weitere 10.000 Euro für ein "exklusives Windkraft-Paket".

Der Wendepunkt

Im Mai 2024 brauchte Sandra Geld für eine unerwartete Autoreparatur. Sie beantragte die Kündigung eines Teils ihrer Anlage. Die Antwort überraschte sie: "Leider ist eine vorzeitige Kündigung laut Vertragsbedingungen erst nach 24 Monaten möglich."

Sandra wurde misstrauisch. Sie versuchte vergeblich, den Kundenservice telefonisch zu erreichen. E-Mails blieben unbeantwortet. Die Quartalszahlung, die im Juni fällig gewesen wäre, blieb aus.

Sie begann zu recherchieren und fand heraus, dass die Frankfurter Adresse von "Green Energy Invest" zu einem Anbieter virtueller Büros gehörte. Das Unternehmen war weder im Handelsregister eingetragen noch bei der BaFin registriert.

Die erschreckende Wahrheit:

"Green Energy Invest" existierte nur als Website. Es gab keine Solarparks, keine Windräder, keine Anleihen. Das gesamte "Unternehmen" war eine Fassade, errichtet mit dem einzigen Ziel, Geld von gutgläubigen Anlegern einzusammeln.

Die Warnzeichen im Rückblick

Sandra hatte alle Warnzeichen für Anlagebetrug übersehen. Nicht aus Naivität, sondern weil die Betrüger sehr geschickt vorgegangen waren:

Die Folgen

Die 23.000 Euro waren Sandras gesamte Ersparnisse. Geld, das sie für ihren Sohn zurückgelegt hatte. Der Verlust traf sie hart.

"Das Schlimmste war nicht das Geld. Das Schlimmste war das Gefühl, so naiv gewesen zu sein. Ich wollte doch etwas Gutes tun."

– Sandra K.

Der Weg zur Hilfe

Im Juni 2024 wandte sich Sandra an unsere Kanzlei. Wir analysierten ihren Fall und leiteten sofort Maßnahmen ein. Dabei war die frühzeitige Sicherung aller Beweismittel entscheidend:

1

Strafanzeige

Wir erstatteten eine detaillierte Strafanzeige wegen Betrugs nach § 263 StGB und Kapitalanlagebetrug nach § 264a StGB.

2

BaFin-Meldung

Wir meldeten "Green Energy Invest" der BaFin, die daraufhin eine öffentliche Warnung herausgab.

3

Blockchain-Analyse

Über spezialisierte Dienstleister versuchten wir, die Geldflüsse nachzuvollziehen.

4

Sammelklage

Sandra war nicht allein – wir konnten sie mit anderen Betroffenen vernetzen, um gemeinsam vorzugehen.

Das Ergebnis

Die Ermittlungen gegen die Hintermänner von "Green Energy Invest" laufen noch. Die Staatsanwaltschaft konnte inzwischen mehrere Verdächtige identifizieren. Durch die BaFin-Warnung wurden weitere potenzielle Opfer gewarnt.

Für Sandra ist der finanzielle Verlust noch nicht ersetzt – aber sie hat die Gewissheit, alles getan zu haben, was möglich ist, und dass sie anderen Betroffenen hilft.

"Es war wichtig für mich, nicht passiv zu bleiben. Ich wollte nicht, dass diese Leute ungestraft davonkommen und weitere Menschen betrügen. Auch wenn ich mein Geld vielleicht nie wiederbekomme."

– Sandra K.

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Rechtsanwaltliche Unterstützung

Unsere Kanzlei begleitet Anleger umfassend bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche. Dies umfasst sowohl die Erstellung und Begleitung der Strafanzeige als auch die Geltendmachung zivilrechtlicher Forderungen sowie die Prüfung internationaler Verflechtungen.